Die Baugenehmigung ist für viele Tiny-House-Projekte eine der größten rechtlichen Hürden – und auch eine der kostspieligsten. Die Frage „Was kostet eine Baugenehmigung für ein Tiny House?” ist deshalb absolut berechtigt und sollte frühzeitig in deine Kostenplanung einfließen. Die Antwort ist leider nicht ganz einfach, denn die Kosten variieren stark je nach Bundesland, Gemeinde, Größe des Tiny Houses und den erforderlichen Nachweisen.

In diesem Ratgeber erfährst du, welche Gebühren auf dich zukommen, welche versteckten Kosten du einplanen solltest und wo du eventuell sparen kannst.

Überblick: Was kostet die Baugenehmigung wirklich?

Die reinen Baugenehmigungsgebühren bewegen sich in Deutschland typischerweise zwischen 300 und 1.500 Euro. Diese Gebühr wird von der zuständigen Bauaufsichtsbehörde oder dem Bauamt erhoben und richtet sich meist nach:

  • Der Grundfläche oder dem umbauten Raum deines Tiny Houses
  • Den jeweiligen Gebührenordnungen des Bundeslandes
  • Dem Aufwand der Prüfung (z. B. einfaches oder komplexes Bauvorhaben)

Allerdings ist das nur die Spitze des Eisbergs. Für den gesamten Genehmigungsprozess fallen weitere Kosten an, die du unbedingt einplanen solltest:

KostenpositionPreisspanne
Baugenehmigungsgebühr300–1.500 Euro
Statik und Tragwerksplanung800–2.000 Euro
Wärmeschutznachweis (EnEV)300–800 Euro
Brandschutznachweis200–600 Euro
Architekt oder Bauvorlageberechtigter1.000–3.000 Euro
Vermessung und Lageplan200–500 Euro
Baugrundgutachten (falls erforderlich)500–1.500 Euro
Gesamt2.500–6.000 Euro

Diese Gesamtsumme kann je nach Komplexität deines Projekts, Standort und gewählten Fachplanern auch höher ausfallen. Wenn du beispielsweise in einem schwierigen Baugebiet baust oder besondere Auflagen erfüllen musst, können zusätzliche Gutachten erforderlich werden.

Baugenehmigungsgebühren: Was wird genau berechnet?

Die Gebührenhöhe richtet sich nach der Gebührenordnung für Bauaufsichtsbehörden (GBO) des jeweiligen Bundeslandes. Diese Verordnungen legen fest, wie viel die Prüfung eines Bauantrags kostet. Typische Berechnungsgrundlagen sind:

  • Umbauter Raum: Je größer das Bauvolumen, desto höher die Gebühr
  • Grundfläche: Anzahl der Quadratmeter Wohn- oder Nutzfläche
  • Baukosten: In manchen Bundesländern wird ein Prozentsatz der Bausumme angesetzt

Für ein typisches Tiny House mit 20–30 Quadratmetern Grundfläche und überschaubaren Baukosten (30.000–60.000 Euro) liegen die Gebühren meist im unteren bis mittleren Bereich, also zwischen 300 und 800 Euro. Größere oder aufwändig gestaltete Tiny Houses können aber auch 1.000 bis 1.500 Euro kosten.

Beispiele aus verschiedenen Bundesländern

Die Kosten unterscheiden sich teils erheblich:

  • Bayern: Gebühren zwischen 400 und 1.200 Euro, abhängig von Größe und Gemeinde
  • Nordrhein-Westfalen: Oft zwischen 300 und 900 Euro für kleinere Bauten
  • Baden-Württemberg: Ähnliche Spanne wie Bayern, teils höhere Nebenkosten
  • Brandenburg: Tendenziell günstiger, oft zwischen 250 und 700 Euro

Tipp: Erkundige dich frühzeitig bei deiner zuständigen Bauaufsichtsbehörde oder dem Bauamt nach den konkreten Gebühren. Oft findest du auch Gebührensatzungen online auf der Webseite deiner Gemeinde.

Kosten für Bauvorlagen und Nachweise

Die Baugenehmigung selbst ist nur ein Teil der Kosten. Um überhaupt einen Bauantrag stellen zu können, brauchst du eine Reihe von Bauvorlagen und Nachweisen, die von Fachleuten erstellt werden müssen.

1. Statik und Tragwerksplanung

Jedes Gebäude – auch ein Tiny House – muss nachweislich sicher und standfest sein. Ein Tragwerksplaner oder Statiker erstellt die erforderlichen Berechnungen und Zeichnungen.

Kosten: 800–2.000 Euro, abhängig von der Komplexität des Baus und der Region.

Wenn du ein Tiny House auf Rädern baust, kann die Statik sogar noch aufwändiger werden, weil die Konstruktion für den mobilen Einsatz ausgelegt sein muss.

2. Wärmeschutznachweis (EnEV/GEG)

Der Wärmeschutznachweis ist in Deutschland für Neubauten Pflicht und zeigt, dass dein Tiny House die Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) erfüllt. Ein Energieberater oder Architekt erstellt diesen Nachweis.

Kosten: 300–800 Euro.

3. Brandschutznachweis

Je nach Bundesland und örtlicher Bauordnung kann ein Brandschutznachweis erforderlich sein, besonders wenn dein Tiny House in einem dicht besiedelten Gebiet steht oder an ein anderes Gebäude angrenzt.

Kosten: 200–600 Euro.

4. Architekt oder Bauvorlageberechtigter

Nicht jeder darf Bauvorlagen einreichen. In vielen Bundesländern muss ein bauvorlageberechtigter Architekt oder Ingenieur die Bauzeichnungen prüfen und unterschreiben. Manche Tiny-House-Bauer übernehmen das direkt, ansonsten musst du jemanden beauftragen.

Kosten: 1.000–3.000 Euro für die Erstellung und Einreichung der Bauunterlagen.

5. Vermessung und Lageplan

Du brauchst einen amtlichen Lageplan, der zeigt, wo genau auf deinem Grundstück das Tiny House stehen wird. Diesen erstellt ein öffentlich bestellter Vermessungsingenieur.

Kosten: 200–500 Euro.

6. Baugrundgutachten

In manchen Fällen verlangt das Bauamt ein Gutachten über die Bodenbeschaffenheit, insbesondere wenn der Baugrund problematisch ist (z. B. Hanglage, Hochwassergebiet, Altlasten).

Kosten: 500–1.500 Euro.

Vereinfachtes Baugenehmigungsverfahren: Gibt es das für Tiny Houses?

Einige Bundesländer bieten für kleinere Bauvorhaben ein vereinfachtes oder sogar genehmigungsfreies Verfahren an. Das kann die Kosten und die Bearbeitungszeit reduzieren.

In Thüringen zum Beispiel sind Gebäude bis 10 Quadratmeter Grundfläche unter bestimmten Bedingungen genehmigungsfrei. In Bayern gibt es Erleichterungen für landwirtschaftliche Nebengebäude oder Gartenhäuser – allerdings gilt das meist nicht für dauerhaft bewohnte Tiny Houses.

Wichtig: Auch wenn ein Tiny House theoretisch in die Kategorie „Kleingebäude” fällt, unterliegt es bei dauerhafter Wohnnutzung fast immer der vollen Genehmigungspflicht. Die vereinfachten Verfahren gelten meist nur für Nebengebäude ohne Wohnnutzung.

Spartipps: So reduzierst du die Kosten

Auch wenn die Baugenehmigung und die dazugehörigen Nachweise teuer sind, gibt es Möglichkeiten zu sparen:

1. Fertige Baupläne vom Hersteller nutzen

Viele Tiny-House-Hersteller bieten fertige Baupläne an, die bereits von einem Architekten gezeichnet und geprüft wurden. Manchmal sind diese Pläne sogar schon einmal genehmigt worden und können mit kleinen Anpassungen übernommen werden.

Ersparnis: 500–2.000 Euro für Architektenleistungen.

2. Selbst zeichnen (wenn du die Kompetenz hast)

Wenn du selbst über bautechnisches Know-how verfügst oder jemanden im Bekanntenkreis hast, kannst du die Bauzeichnungen selbst erstellen und nur zur Prüfung einreichen lassen.

Aber Achtung: Die Pläne müssen professionell und normgerecht sein, sonst verzögert sich der Prozess oder der Antrag wird abgelehnt.

3. Gebündelte Beauftragung

Beauftrage Statik, Wärmeschutznachweis und Brandschutznachweis bei einem Ingenieurbüro. Oft gibt es Paketpreise, die günstiger sind als Einzelleistungen.

4. Günstige Standortwahl

In ländlichen Regionen sind die Gebühren oft niedriger als in Ballungsräumen. Auch die Anforderungen können weniger streng sein, was zusätzliche Gutachten überflüssig machen kann.

5. Genehmigungsfreie Alternativen prüfen

Wenn du bereit bist, Kompromisse einzugehen – etwa durch temporäre Nutzung oder die Wahl eines Campingplatzes mit Dauerstellplatz – kannst du die Baugenehmigung unter Umständen ganz umgehen.

Zusätzliche Kosten, die oft vergessen werden

Neben den direkten Genehmigungskosten solltest du auch diese Posten einplanen:

  • Anschlussgebühren (Wasser, Abwasser, Strom): 2.000–8.000 Euro
  • Fundament oder Stellplatz: 1.500–5.000 Euro
  • Versicherungen (Bauhaftpflicht, Bauherrenhaftpflicht): 200–500 Euro pro Jahr
  • Notar- und Grundbuchkosten (falls du ein Grundstück kaufst): 1–2 Prozent des Kaufpreises

Fazit: Was kostet die Baugenehmigung für dein Tiny House?

Die Baugenehmigung für ein Tiny House ist keine Kleinigkeit – weder bürokratisch noch finanziell. Mit 2.500 bis 6.000 Euro solltest du realistisch rechnen, wenn du alle erforderlichen Gutachten, Nachweise und die eigentliche Gebühr einkalkulierst.

Die genauen Kosten hängen stark von deinem Bundesland, der Größe deines Tiny Houses, der Komplexität des Bauvorhabens und der Wahl deiner Fachplaner ab. Eine frühzeitige Planung und der direkte Kontakt mit dem zuständigen Bauamt können dir helfen, böse Überraschungen zu vermeiden.

Wenn du clever planst, bestehende Baupläne nutzt und auf gebündelte Beauftragungen setzt, kannst du die Kosten zwar nicht komplett umgehen – aber immerhin deutlich reduzieren.

Unser Tipp: Lass dich nicht von den Kosten abschrecken. Eine ordnungsgemäße Baugenehmigung schützt dich vor rechtlichen Problemen, sichert den Versicherungsschutz und macht dein Tiny House am Ende auch wertvoller.